2025-09-15T10:29:23Fritz Frey

OpenAI-CEO Bret Taylor über die KI-Blase: Warum der Hype Milliarden vernichtet – und trotzdem Fortschritt bringt

Als Bret Taylor, OpenAI-Aufsichtsratschef und selbst CEO eines KI-Startups mit 10-Milliarden-Bewertung, eine KI-Blase diagnostiziert, solltet ihr genau hinhören. Denn hier spricht nicht irgendein Kassandra-rufender Analyst, sondern ein Mann, der vom Hype direkt profitiert – und trotzdem die Warntafeln aufstellt. Seine Botschaft: Ja, wir stecken mitten in einer KI-Spekulationsblase, und ja, das ist eigentlich eine gute Nachricht.

Der KI-Goldrausch und seine unvermeidlichen Opfer

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein im zweiten Quartal 2025 flossen schwindelerregende 91 Milliarden Dollar in KI-Unternehmen. OpenAI selbst strebt eine Bewertung von 150 Milliarden Dollar an – trotz der Tatsache, dass das Unternehmen bei einem prognostizierten Jahresumsatz von 20 Milliarden immer noch rote Zahlen schreibt. Taylors eigenes Startup Sierra, das KI-Agenten für Kundenservice entwickelt, katapultierte seine Bewertung innerhalb weniger Monate von 1 auf 10 Milliarden Dollar.

In einem Interview mit The Verge stimmte Taylor OpenAI-CEO Sam Altman zu, der kürzlich prognostizierte: „Jemand wird eine phänomenale Menge Geld verlieren.“ Taylor sieht klare Parallelen zur Dotcom-Blase der späten 90er Jahre – und genau das macht ihn seltsam optimistisch.

Warum Blasen der Innovation Flügel verleihen

„Ich glaube, es stimmt beides: KI wird die Wirtschaft transformieren und enorme wirtschaftliche Werte schaffen – und gleichzeitig befinden wir uns in einer Blase, bei der viele Menschen viel Geld verlieren werden“, erklärt Taylor. Seine These: Überhitzte Märkte sind der Treibstoff für bahnbrechende Innovationen. Die Dotcom-Blase mag Billionen verbrannt haben, doch aus ihrer Asche stiegen Amazon und Google empor. Die Infrastruktur, die während des Internet-Hypes geschaffen wurde – von Glasfaserkabeln bis Rechenzentren – legte das Fundament für die digitale Revolution, die folgen sollte.

Der entscheidende Unterschied: Der „Kern der Wahrheit“

Was Taylor und Altman von typischen Crash-Propheten unterscheidet: Sie sehen im Zentrum des Hypes einen unbestreitbaren Wertekern. „Wenn Blasen entstehen, werden kluge Menschen über einen Kern der Wahrheit übermäßig aufgeregt“, wie Altman es formuliert.

Dieser Wahrheitskern ist für Taylor die Fähigkeit von KI, nicht nur Produktivität zu steigern, sondern ganze Jobs zu automatisieren. Seine Prognose: KI-Agenten – autonome Systeme, die komplexe Aufgaben ohne menschliches Eingreifen erledigen können – werden Software-as-a-Service-Modelle im Billionen-Dollar-Bereich schaffen.

Sierras eigenes Geschäftsmodell verkörpert diese Vision: Das Unternehmen entwickelt KI-Agenten für Kundenservice und konnte bereits Hunderte von Kunden gewinnen – 15% davon mit einem Jahresumsatz von über 10 Milliarden Dollar. Das Startup selbst steuert auf einen wiederkehrenden Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar zu.

Wall Street bleibt unbeeindruckt – vorerst

Interessanterweise teilen nicht alle Taylors und Altmans Blasen-Diagnose. Wedbush-Analyst Dan Ives konterte gegenüber Fortune: „Die KI-Revolution wird einen Tech-Bullenmarkt für mindestens die nächsten zwei bis drei Jahre befeuern. Es könnte Überhitzung in bestimmten Bereichen des Privatmarktes für KI-Anbieter geben, aber letztendlich sehen wir das nicht als Blase. Dies ist ein 1996-Moment mit viel mehr Luft nach oben, kein 1999-Moment.“

Andere hochkarätige Stimmen wie Alibaba-Mitbegründer Joe Tsai, Ray Dalio von Bridgewater Associates und Torsten Slok, Chefvolkswirt bei Apollo Global Management, haben jedoch ähnliche Warnungen wie Taylor und Altman ausgesprochen.

Die produktive Kraft des kreativen Kapitalüberschusses

Taylors Kernbotschaft ist letztlich eine paradoxe: Die KI-Blase ist nicht trotz, sondern wegen ihrer Übertreibungen wertvoll. Der Kapitalüberfluss finanziert Experimente, die bei nüchterner Betrachtung nie stattfinden würden. Er beschleunigt Entwicklungen, die sonst Jahrzehnte bräuchten.

Und ja, viel Geld wird in den Sand gesetzt werden. Aber die Infrastruktur, die Talente und die Technologien, die dieser Goldrausch hervorbringt, werden bleiben – lange nachdem die Spekulationsblase geplatzt ist.

Was bedeutet das für euch?

Die KI-Blase ist Bedrohung und Chance zugleich. Drei Erkenntnisse solltet ihr mitnehmen:

Selektiv investieren: Konzentriert euch auf KI-Unternehmen mit echten Umsätzen und klarem Kundenmehrwert – nicht auf reine Bewertungsspiele.

Infrastruktur im Blick behalten: Wie bei der Dotcom-Blase könnten die größten langfristigen Gewinner diejenigen sein, die die grundlegende Infrastruktur für die KI-Revolution bauen.

Frühzeitig adaptieren: Nutzt die durch den Hype beschleunigte Innovation, um eure eigenen Geschäftsprozesse zu transformieren, bevor es eure Wettbewerber tun.

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